Was ist eine Induratio Penis Plastica?

Die Induratio Penis Plastica ist eine gutartige Erkrankung des PenisDie Induratio Penis Plastica (IPP) ist eine gutartige Erkrankung des Penis. Durch entzündlich bedingte Veränderungen im Bindegewebe können sich umschriebene Verhärtungen bzw. Einziehungen im Bereich der Schwellkörper bilden. Im Spätstadium sind Verkalkungen und Narben nachweisbar. Diese Veränderungen gehen häufig mit einer erektilen Dysfunktion (ED) einher, die je nach Studie zwischen 20 – 40 % liegt. Die frühzeitige Therapie ist wichtig, weil am aussichtsreichsten. Langes zuwarten bringt nichts. Die IPP schreitet nach Auftreten der ersten Verhärtungen über Jahre fort und führt z.T. zu erheblichen Deviationen (Abweichungen) und Verkürzungen des erigierten Penis. Die Erektion ist oft auch mit Schmerzen verbunden. Der Geschlechtsverkehr wird beeinträchtigt und ist im Endstadium bei einem massiven Befall nicht mehr möglich.

Die Induratio penis plastica gehört zusammen mit dem Morbus Dupuytren, dem Morbus Ledderhose und dem Keloid der Haut zum sogenannten Formenkreis der hyperproliferativen Fibromatosen. Hyperproliferative Fibromatosen haben kein malignes Potential, d.h. das Risiko für eine bösartige Entartung ist äußerst gering.

Wer ist betroffen?

Ca. 3-7% der Männer zwischen 40 bis 70 Jahre sind betroffen. Einige Studien sprechen gar von einer Häufigkeit von über 10%. Der Gipfel liegt bei 53 Jahren. Die Erkrankung tritt in der Regel ohne erkennbare Ursachen auf. Häufige Begleiterkrankungen sind Morbus Dupuytren (umschriebene bindegewebige Verhärtungen in der Handfläche mit Verkrümmung der Finger) und Morbus Ledderhose (umschriebene bindegewebige Verhärtungen der Fußsohle). Die Behandlung dieser Erkrankung mit Röntgenstrahlen ist der Goldstandard in der nicht operativen Therapie. Die Bestrahlungstherapie der Induratio penis plastica wird zu 100% von den gesetzlichen wie auch privaten Krankenkassen übernommen.

Wie entsteht eine Induration penis plastica?

Die genaue Ursache der Induratio penis plastica konnte bisher noch nicht geklärt werden. Es scheint jedoch eine genetische Veranlagung eine Rolle zu spielen. Auch Entzündungen, kleine Traumata und Ereignisse verbunden mit einer Sauerstoffunterversorgung im Gewebe werden ebenso wie beim Morbus Dupuytren und dem Morbus Ledderhose mit der Erkrankung in Verbindung gebracht. Nikotingenuss, Diabetes mellitus sowie Medikamente (Betablocker) sind möglicherweise fördernde Faktoren. 

Was Sie bei Induratio penis plastica selbst tun können?

Der Mann bemerkt die Erkrankung, wenn der Penis Abknickungen aufweistIn der Regel bemerkt der Mann die Erkrankung, wenn erste Knoten im Penis auftreten oder der erigierte Penis zunächst eine leichte Deviation aufweist. Diese Veränderungen sind oft noch nicht störend, weshalb zugewartet wird, was falsch ist. Suchen Sie frühzeitig einen mit diesem Krankheitsbild vertrauten Facharzt auf. Im Endstadium können Vernarbungen oder gar Verkalkungen nur noch operativ, oft einhergehend mit einer Penisverkürzung und dem Risiko von Nervenverletzungen, korrigiert, bzw. entfernt werden. Je früher also die Therapie, desto besser die Prognose . Wirksame Möglichkeiten, welche Sie selbst anwenden können, sind nicht bekannt.

Wie kann der Spezialist helfen?

Die Induratio penis plastica ist am erfolgversprechendsten im Frühstadium interdisziplinär und multimodal zu behandeln. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit einem mit diesem Krankheitsbild vertrauten Facharzt für Urologie, welcher Ihnen ergänzend zur Bestrahlung je nach Stadium noch weitere Therapien vorschlagen wird, ist besonders wichtig.

Untersuchungen (Diagnostik)

Im Rahmen der Diagnostik sind neben dem klinischen Untersuchungsbefund auch die Autofotografie sowie die Sonographie von Bedeutung.

Welche Behandlungen (Therapien) sind empfehlenswert?

Die Röntgenbestrahlung des Penis ist, da nur niedrige oder mittlere Dosen angewendet werden, weitestgehend nebenwirkungsfrei. Insbesondere sind in der Literatur keine negativen Auswirkungen auf die Erektionsfähigkeit beschrieben.

Ergänzend zur Strahlentherapie sind im Frühstadium verschiedene medikamentöse Therapieansätze möglich. Insgesamt ist die Wirkung der medikamentösen Therapien zwar in Studien z.T. nachgewiesen, jedoch deren tatsächlichen Nutzen im klinischen Alltag fraglich.

Im Spätstadium der IPP, insbesondere bei umschriebenen Kalkablagerungen, ist die Strahlentherapie im Sinne einer Schmerztherapie indiziert. Erreicht wird dabei eine ausgeprägte Besserung der Schmerzsymptomatik (50%-90% der Patienten). Eine relevante Besserung der einschränkenden Peniskrümmung ist nicht zu erwarten. Hier hilft oft nur noch ein operatives Vorgehen, eingeschränkt auch die Stoßwellentherapie. 

Was Sie bei Ihrem Arzt für Strahlentherapie erwartet

In einem ausführlichen Gespräch werden zunächst ihre aktuellen Beschwerden, der bisherige Krankheitsverlauf und etwaige Nebenerkrankungen eruiert. Dies schließt die Sichtung aller von Ihnen mitgebrachten Befunde mit ein. Im Anschluss erfolgt die körperliche Untersuchung und ggf. Rücksprache mit dem überweisenden Facharzt für Urologie.

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Was für Beschwerden haben Sie und seit wann bestehen diese?
  • Wie war der bisherige Verlauf der Erkrankung?
  • Welche Untersuchungen oder Therapien wurden bisher durchgeführt, wenn ja bitte Bilder und Befunde mitbringen.
  • Haben Sie anderweitige Erkrankungen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Wurden Sie schon einmal bestrahlt, wenn ja wann und wo? (Wenn möglich bitte Arztbrief mitbringen)

Wie geht es nach der Befunderhebung und der klinischen Untersuchung weiter?

Ausgehend von der vorangegangenen Anamnese und den erhobenen Befunden kann der Facharzt für Strahlentherapie nun entscheiden, ob eine Bestrahlung für Sie als Behandlungsmethode in Frage kommt. Wenn eine Bestrahlung bei Ihnen indiziert ist, erfolgt eine ausführliche Aufklärung über die Therapie, den Ablauf, die Prognose und mögliche Nebenwirkungen. Anschließend werden alle weiteren Termine mit Ihnen vereinbart.

Wie verläuft die Bestrahlung?

Die Behandlung im Zentrum für Radio-Strahlentherapie erfolgt ambulant durch 4 Bestrahlungen mit einer Pause von 4 Wochen.

  • Bestrahlung 1+2 (Aufenthalt in Berlin für auswärtige Patienten: 3 Tage)
    • Tag 1: Aufklärungsgespräch
    • Tag 2: Erste Bestrahlung
    • Tag 3: Zweite Bestrahlung
  • 4 Wochen Pause
  • Bestrahlung 3+4 (Aufenthalt in Berlin für auswärtige Patienten: 2 Tage)
    • Tag 1: Dritte Bestrahlung
    • Tag 2: Vierte Bestrahlung, Abschlussgespräch

Der Zeitaufwand für eine Bestrahlungssitzung beträgt ca. 10 Minute, wobei die eigentliche Bestrahlung nur ca. 2-3 Minuten dauert. Während und für 2 Wochen nach Abschluss eines Bestrahlungszyklus wird sexuelle Enthaltsamkeit empfohlen. Die Behandlungskosten für die Induratio penis plastica werden zu 100% von den gesetzlichen wie den privaten Krankenkassen übernommen. Die Kosten für die Anreise und den Aufenthalt in Berlin werden von den Krankenkassen z.T. übernommen. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach.

Wann sollte bestrahlt werden?

Die Strahlentherapie bei hyperplastischen Fibromatosen, zu denen auch die Induratio penis plastica gehört, vermag das Fortschreiten der Erkrankung bereits im frühen Stadium aufzuhalten. Grundsätzlich gilt: Je früher, desto besser ist die Prognose. Schwerste Vernarbungen oder gar Verkalkungen im Schwellkörper des Penis werden durch die Strahlen kaum mehr beeinflusst. Hier hilft nur noch die Operation.

Mit welchen Kosten müssen Sie rechnen?

Die niedrig bis mittel dosierte Röntgenbestrahlung bei hyperproliferativen Fibromatosen ist eine anerkannte Behandlungsmethode. Sie wird deshalb von den gesetzlichen wie auch den privaten Krankenkassen komplett übernommen.

Wie hoch sind die Heilungschancen (Prognose)?

Ohne Therapie schreitet die Erkrankung in der Regel über 1 – 5 Jahre langsam fort bis sie „ausgebrannt“ ist.

Die Strahlentherapie führt
– in 50 – 90% zu einer deutlichen Schmerzlinderung
– in 30 – 70% zu einer Verbesserung der Penisdeviation
– Regress, bzw. Erweichung der indurierten Herde (randomisierte Studien fehlen hierzu)

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